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Andacht

Denn Christus ist gestorben und wieder lebendig geworden, um seine Herrschaft über alle auszuüben ... Woher nimmst du dir da noch das Recht, deinen Bruder oder deine Schwester zu verurteilen?

Römer 14,9-10 (Neue Genfer Übersetzung)

In alten Kirchen befindet sich oft ein besonderes Gestühl, das den Adligen oder Honoratioren vorbehalten war. Sind vor Gott doch nicht alle gleich? Mitunter übersehen selbst Jesu Nachfolger, dass es vor Gott kein Ansehen der Person gibt (Röm 2,11).

Wohl werden in den örtlichen Gemeinden Glieder mit verantwortlichen Aufgaben betraut: Älteste, Diakone, Gesprächsleiter. Ebenso gibt es besondere Verantwortungen - in der Leitung unserer Freikirche beispielsweise bis zum Generalkonferenzpräsidenten. Ungeachtet der übertragenen Aufgaben haben wir denselben Status vor Gott - wir sind alle Sünder und dennoch seine Kinder. Wenn es um unser Heil geht, hat vor Gott keiner auch nur den geringsten Vorzug vor dem anderen. Für die Begegnungen untereinander gilt der Rat des Paulus: "Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor." (Röm 12,10) Niemals jedoch sollte weder eine übertragene Aufgabe noch eine größere Verantwortung Anlass sein zu meinen, man könne sich dadurch vor Gott Pluspunkte sammeln.

Kürzlich stieß ich auf eine Geschichte aus Afrika: Ein wunderschöner Schmetterling umflatterte eine duftende Blume, da bemerkte er eine hässliche Raupe, die im Staube dahinkroch. Verächtlich rief der Schmetterling ihr zu: "Wie kannst du es wagen, dich in meiner Nähe sehen zu lassen? Fort mit dir! Siehe, ich bin schön und strahlend wie die Sonne, und meine Schwingen tragen mich hoch in die Lüfte, während du auf der Erde umherkriechst. Fort, wir haben nichts miteinander zu schaffen."

"Dein Stolz, du bunter Schmetterling, steht dir schlecht an", erwiderte die Raupe ruhig. "All deine Farbenpracht gibt dir nicht das Recht, mich zu verachten. Wir sind und bleiben Verwandte, so schmähst du dich also selbst. Bist du nicht früher eine Raupe gewesen? Und werden deine Kinder nicht Raupen sein wie du und ich?"

Ein guter Rat des Paulus: "Lasst einander also gelten und nehmt euch gegenseitig an, so wie Christus euch angenommen hat. Das dient zum Ruhm und zur Ehre Gottes." (Röm 15,7 GNB)

Manfred Böttcher