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Andacht

Mose war erwachsen geworden. Einmal ging er los, um zu sehen, wie seine israelitischen Brüder zu harter Arbeit gezwungen wurden. Dabei wurde er Zeuge, wie ein Ägypter einen Hebräer schlug, einen Mann aus seinem Volk! Mose sah sich nach allen Seiten um, und als er sich überzeugt hatte, dass außer ihnen niemand in der Nähe war, schlug er den Ägypter tot und verscharrte ihn im Sand.

2. Mose 2,11-12 (Hoffnung für alle)

Die Geschichte, in der Mose einen Mord begeht, ist mir seit frühester Kindheit bekannt. Ich habe mit diesem Bericht stets den Gedanken verbunden, dass auch ein Glaubensheld wie Mose eine schwere Sünde begangen hatte, dafür aber auch Vergebung empfing und für eine besondere Aufgabe auserwählt wurde.

Vor Kurzem ist mir aber ein ganz neuer Gedanke bewusst geworden: Mose, der dank seiner Rettung aus dem Nil durch die Tochter des Pharaos selbst zur herrschenden Elite des Landes gehörte, ging los, um sich die Unterdrückung der Israeliten anzusehen. Warum tat er das? Ihm selbst ging es doch gut im Palast seiner Adoptiveltern. Sein Leben war "der Himmel auf Erden". Aber da gab es etwas, das ihn dazu brachte, hinauszugehen. Er wagte den Blick hinter die Fassade der Prachtbauten und sah mit Entsetzen das Leben der Sklaven, die für seinen Lebensstandard schuften mussten. Dabei wünschte er sich, dem Unrecht ein Ende machen zu können.

Was hat diese alte Geschichte mit uns zu tun? Im Grunde ist es auch heute noch wie damals. Durch kritische Fernsehreportagen wissen wir, dass in Bangladesch Näherinnen für einen Hungerlohn Kleidung für uns herstellen, dass Minderjährige für unsere Schokolade auf den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste schuften müssen und dass im Kongo Kinder ihr Leben in den Coltanminen verlieren, um Rohstoffe für unsere Handys zu liefern.

Ich gebe zu, dass ich vor diesen unbequemen Berichten oft die Augen verschlossen habe. Die Schuld könnte man anderen geben: den Arbeitgebern vor Ort, den Zwischenhändlern, den großen Konzernen. Und doch: Auch wir Konsumenten tragen eine Mitverantwortung. Ich habe ganz bewusst Produktgruppen genannt, für die es Alternativen gibt. Sind wir dazu bereit, mehr Geld auszugeben, um dafür etwas weniger, aber dafür "faire" Ware zu kaufen? Mose hätte es getan!

Matthias Peters