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Andacht

Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man's beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es!, oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Lukas 17,20-21

Was bleibt den Politikern der Welt anderes übrig, als Hoffnung zu geben und uns immer wieder eine friedliche Welt zu versprechen? Und doch entstehen Menschenverachtung und Terror, den Verbrecher und Verführer verbreiten. Hinter der Antwort Jesu, die er den Pharisäern gibt, steht die Realität des Reiches Gottes: Dein Reich komme!

Aber eben erst in der Zukunft. In der Zwischenzeit verbirgt Gott seine Nähe bei uns. Er verbirgt sie sogar perfekt - im Gegenteil dazu, was er uns verspricht: das ewige Leben und seine neue Welt im Leiden und Sterben Jesu, denn "zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht" (Lk 17,25). Uns bleibt es nicht erspart, seinem Wort zu glauben, es sei so, wie er es uns verspricht. Nur so haben wir heute das Reich Gottes - mitten in einer Welt, in der wir mit unserer Sehnsucht leben müssen, als sei Gott nicht da.

Martin Luther hat deswegen übersetzt: "Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden ... denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch." (Lk 17,20-21 LB 1912) Glaube dem Wort, und du wirst erleben, was du glaubst. Mehr können wir hier nicht haben. Denn wenn wir das Reich Gottes in unserer Welt lokalisieren wollen - "hier ist es oder da" -, dann missverstehen wir sein Anliegen. Deswegen kann es nur in uns durch den Glauben sein und bleiben.

In den Gleichnissen Jesu, die vom gegenwärtigen und kommenden Reich Gottes reden, werden Szenen des Alltags aufgegriffen, in denen die betroffenen Menschen plötzlich etwas Besonderes erleben (vom Schatz im Acker, von der kostbaren Perle, vom Sauerteig, vom guten Samen usw.). Es ist diese Sicht der Dinge des Lebens, die dem Gläubigen eigen sein sollte. Nicht nur das Vordergründige, Alltägliche zu sehen und zu tun, sondern den Glauben einfließen lassen in den Alltag, der vom Reich Gottes geprägt ist. Anders geht es nicht, und solange wir hier leben, wird es nicht anders werden. Aber wir erhalten immer wieder unaufdringliche Zeichen, mit denen Gott uns gelegentlich zuwinkt, der ja weiß, dass wir nicht in jeder Phase unseres Lebens glauben können. Weil das so ist, ruft uns Jesus zu: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." (Mt 28,20)

Udo Worschech